Köln Kalk: Aus Trauer wird Wut

Gedenken an Salih wandelt sich zu Protest gegen Rassismus.
http://de.indymedia.org/2008/01/206066.shtml

Nachdem vergangenen Freitag der 18 jährige Salih in einer Messerstecherei auf der Kalker Hauptstrasse in Köln zu Tode gekommen war, demonstrieren täglich mehrere Hundert Kalker Jugendliche in Andenken an Salih, für Gerechtigkeit, Wahrheit und gegen Rassismus.

Salih soll einen weißen, zunächst als Deutschen bezeichneten, jungen Mann angegriffen haben. Dieser habe sich mit einem Messer verteidigt und dabei Salih ins Herz getroffen. Die Staatsanwaltschaft erklärte bereits Samstag Mittag, dass es sich um Notwehr gehandelt habe. Das veranlasste die Angehörigen und FreundInnen von Salih zu der Frage, ob dieses Ergebnis
genauso schnell zustande gekommen wäre, wenn der Tote ein Weißer und der Messerstecher marokkanischer Herkunft gewesen wäre. Der Version von Staatsanwaltschaft und Polizei schenken die Jugendlichen keinen Glauben, kennen sie doch die rassistische Ungleichbehandlung durch deutsche Behörden
aus eigener, täglicher Erfahrung.
Vor dem Hintergrund der CDU Wahlkampagne, der Hetze um die Vorfälle in München und der allgemeinen rassistischen Stimmungsmache brachten die Ereignisse in Kalk das Fass zum Überlaufen.

Mittlerweile ist klar, dass der Messerstecher selbst migrantischen
Hintergrund hat. Die Frage, was tatsächlich Freitag Abend auf der Kalker Hauptstrasse passiert ist, rückt aber mehr und mehr in den Hintergrund.
Stattdessen artikuliert sich auf den Demos der Unmut gegen den deutschen Alltagsrassismus, die Perspektivlosigkeit und der Frust, in heruntergekommenen, gewalttätigen Verhältnissen leben zu müssen. Die Jugendlichen, die meisten DemonstrantInnen sind zwischen 10 und 25 Jahre alt, haben ihre Situation ziemlich klar. Sie wollen keine Verschlechterung in Richtung französischer Banlieus, sondern fordern Gerechtigkeit, eine Perspektive, ein besseres Zusammenleben, erklärtermaßen unabhängig von
Religion oder Staatsangehörigkeit. Nicht nur für Salih, sondern für alle, die wie er so sinnlos gestorben sind und noch sterben werden, gingen sie auf die Strasse, damit das aufhört, damit sowas nicht nochmal passiert.
Die Strategie der Polizei ist nicht klar erkennbar. Am Dienstag noch haben sie sich mit einer Hundertschaft ziemlich zurückgehalten und nur einzelne Strassen gesperrt. Am Mittwoch(gestern) bereits waren es mindestens zwei
wenn nicht drei Hundertschaften, die auch wesentlich stärker Präsenz gezeigt und sich viel bedrohlicher und näher aufgebaut haben.
Die Dynamik der Proteste ist unvorhersehbar, es gibt bisher keine klaren politischen Forderungen, die Artikulation ist ziemlich wirr. Zwischen "Allahu akbar"- (Gott ist groß) und "Wir wollen Gerechtigkeit!" - Rufen gibt es immer wieder spontane Reden über Rassismuserfahrungen, soziale Stigmatisierung und verschwommene Forderungen nach einer "besseren Zukunft
für unsere Jugend". Viele haben die Nase gestrichen voll davon, immer nur als die Bösen dazustehen ohne dass sich jemand sonst für ihre Lage interessieren würde. Ein mitgebrachtes Transparent "Widerstand gegen soziale Ausgrenzung und Rassismus. Kein Mensch ist illegal", das eigentlich nur als
Seitentranspi gedacht war, wurde mit Begeisterung aufgenommen und dann als Fronttranspi übernommen.
Bei Zwischenstops während der Demo, bei denen sich alle auf den Boden setzen, können alle, die wollen, spontane Reden halten, was auch zahlreich getan wird.
Die Kölner Presse will das ganze mal wieder nicht verstehen und schreibt nach wie vor hauptsächlich dumme, wenn nicht hetzerische und rassistische Artikel zu der ganzen Angelegenheit.
Was aus dieser kleinen Bewegung von 300-500 Kalker Jugendlichen wird, ist ungewiss und wird sicherlich auch davon abhängen, ob sie konkretere Forderungen aufstellen können, wie die Solidarisierung seitens der restlichen Kalker und Kölner Bevölkerung ausfällt und ob sie sich längerfristig für ihre Belange organisieren.
Bisher ist alles sehr friedlich und diszipliniert verlaufen. Randale und Rachegelüste werden immer wieder ausdrücklich verurteilt. Hoffentlich bleibt das so, denn im Fall einer Eskalation mit bundesweiten Schlagzeilen haben die Kalker Jugendlichen alles zu verlieren und der Oberrassist Koch einen Wahlkampf gewonnen.

Die Jugendlichen wollen sich auf unbestimmte Zeit weiter jeden Abend um 18h am Tatort Kalker Hauptstrasse Ecke Josephskirchstrasse versammeln um Salih zu gedenken und ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Kommt vorbei, solidarisiert Euch, diskutiert mit den Leuten, knüpft Kontakte, bringt Euch ein. Es ist den ihnen total wichtig, dass da nicht nur "Schwarzköpfe" (Eigenbezeichnung) sind, sondern auch "Weiße" mitmachen.

Gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung.
Schluss mit der rassistischen Hetze gegen "kriminelle ausländische Jugendliche".
Für ein solidarisches Kalk.
flakeo (anonym) - 30. Jan, 15:35

Notwehr

Es gibt Zeugen, die bestätigen, dass der Angegriffene in Notwehr das Messer gezogen hat. Deshalb ist die Staatsanwaltschaft sich auch so sicher. Integration kann es nur dann geben, wenn die Migranten sich den hiesigen Sitten anpassen und nicht kriminell sind. Hass und Rachegelüste soll es nicht geben? Ich habe einige Interviews gesehen, in denen viele Demonstranten ihre Gewaltbereitschaft kundtun.
Ich würde mich auch nicht ausrauben lassen. Wer angreift, muss auch damit rechnen, dass der andere sich wehrt.

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