Nürtingen: Nazi-Angriff
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Nach einer Veranstaltung mit der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman in Nürtingen im Landkreis Esslingen am Donnerstag, 3. Juli 2008 wurde ein 16-jähriger Punker von einigen teils bekannten FaschistInnen angegriffen, wobei es auch zu Flaschenwürfen kam. Die Gruppe der zum Teil vermummten FaschistInnen bestand aus etwa 20- 25 Personen, die zu großen Teilen aus dem Umland stammen. Diese waren bewaffnet mit Pfefferspray, Sandhandschuhen und Mundschutz.
Erst vor zwei Wochen wollte die Stadt Nürtingen dem faschistischen Multifunktionär und ehemaligen Nürtinger Gemeinderat Walter Staffa eine neu ins Leben gerufene Ehrennadel für kommunalpolitisches Engagement verleihen. Angesichts einer solchen Politik entsteht der Eindruck, die Stadt lade die militanten FaschistInnen geradezu ein.
Hintergrundinformationen Walter Staffa:
Nach seiner Tätigkeit in der Wehrmacht
gelangte Staffa nach Nürtingen. Hier begann er, sich in einem „Hilfsverband für die Neubürger im Landkreis Nürtingen“ zu engagieren.
Seine kommunalpolitische Karriere umfasst 37 Jahre im Nürtinger Gemeinderat und 30 Jahre im Kreistag Esslingen. 1959 gelang es ihm erstmals, in den Gemeinderat gewählt zu werden, nämlich für die „Freie Wählergemeinschaft der vertriebenen und geschädigten Deutschen“. Ab 1965 vertrat er die „Wählervereinigung der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge“, ab 1971 die „Wählergemeinschaft Unabhängiger Bürger“. Ab 1980 war er auch Abgeordneter der „Unabhängigen freien Bürger“ im Esslinger Kreistag.
Staffa ist aktives Mitglied in mehreren faschistischen Organisationen; oft besetzt er Vorstandsfunktionen, z.B. im Witikobund, dessen Bundesvorsitzender er war. Im Jahr 1960 begründete er den „Staatspolitischen Arbeitskreis“, 1964 einen Nürtinger Aussprachekreis und 1970 das Deutsche Seminar, dessen stellvertretender Vorsitzender er sogleich wurde. Mit Verlegung des Sitzes der Organisation nach Nürtingen firmiert er als dessen Vorsitzender. Über das Deutsche Seminar organisierte Staffa Vorträge hauptsächlich mit Referenten der extremen Rechten. 1997 gründete er mit den Faschisten Karl Bassler und Rolf Kosiek im Nürtinger Haus der Heimat einen Aktionskreis des Witikobundes. Heute arbeitet er in der im Jahr 2000 gegründeten Deutschen Studiengemeinschaft (DSG). Seitdem ist er deren Vorstandsmitglied.
Ferner war Staffa Mitglied des Bundesvorstandes der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie des Sudetendeutschen Rats.
Staffa ist auch publizistisch tätig: So ist er Autor der
geschichtsrevisionistischen „Vierteljahreshefte Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ (DGG) des Grabert/ Hohenrain-Verlages.
Walter Staffa wohnt in Nürtingen uns ist als Allgemeinarzt tätig.
Hintergrundinformationen Rolf Kosiek:
Kosiek ist ein faschistischer Multifunktionär: Er war von 1968 bis ´72 Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg für die faschistische Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und später zeitweilig Vorsitzender der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Er gehört dem Führungskreis der oben genannten DSG an. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des „Deutschen Seminars“ sowie des „Deutschen Kreis“ von 1972, Beirat der rassistischen „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“ (GbfAEV), Mitglied des Witikobundes, des Aktionskreises des Witikobundes und aktiv tätig im revisionistischen Verein „Kultur und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit“.
Kosiek ist Buchautor, Verfasser von Zeitschriftenbeiträgen und Mitherausgeber von Resolutionen. Er veröffentlichte u.a. Beiträge in der Nazi-Zeitschrift Nation und Europa. Unter dem Pseudonym Rudolf Künast verfasste Kosiek zahlreiche Artikel in der bereits genannten Zeitschrift DGG.
Von 1972 bis 1980 war Kosiek Dozent für Mathematik, Physik und Statistik an der Fachhochschule Nürtingen, bis er dort wegen seiner faschistischen Tätigkeiten aus dem Staatsdienst entlassen wurde.
Kosiek lebt in Nürtingen im Landkreis Esslingen.
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