Sonntag, 28. September 2014

OZ ist tot – Hamburg hat sein Lächeln verloren. Ein Nachruf

Walter Josef Fischer, alias OZ, Hamburgs – und wohl auch Deutschlands – bekanntester Sprayer und Graffitikünstler ist tot. Am 25. September, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wurde er in der Nähe des Hauptbahnhofs Hamburg beim Sprühen eines Tags von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. Er ist 64 Jahre alt geworden. Sein gewaltsamer Tod, der auf verstörende Weise seinem risikoreichen Leben zu entsprechen scheint, ist eine furchtbare Tragödie und hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist.

Zwei Jahre zuvor: KP Flügel, Buchautor und Hörfunkjournalist, rief mich im Hamburger Verlagsbüro von Assoziation A an und erzählte, er plane gemeinsam mit Jorinde Reznikoff die Herausgabe eines Buches über OZ, das dessen Werk im Spannungsfeld „zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ beleuchten solle. Er suche dafür einen Verlag. Ich war spontan Feuer und Flamme für das Projekt. „Du wirst es nicht glauben, aber das ist genau mein Ding“, antwortete ich. Noch heute kann ich mich nicht daran erinnern, jemals einem Buchprojekt so schnell und vorbehaltlos zugestimmt zu haben. Ich beschäftigte mich seit geraumer Zeit mit Streetart und hatte die Stadt auf dem Fahrrad und mit der Fotokamera im Gepäck auf der Suche nach ihr erkundet. Die Allgegenwärtigkeit von OZ im Straßenbild Hamburgs war frappierend und zog mich wie so viele vor mir in den Bann. Der Produktionsprozess des Buches gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht und zog sich in die Länge. Andreas Blechschmidt, in der Soli-Arbeit mit OZ aktiv und Mitarbeiter des Anwaltsbüros am Schulterblatt, das OZ als Rechtsbeistand zur Seite trat, stieß hinzu. Sven Stillich, den ich von einem Buch über das Gängeviertel her kannte und außerordentlich schätzte, fragte ich, ob er bereit sei, ein Porträt über OZ beizusteuern. Ich selbst radelte erneut Hunderte von Kilometern durch die Stadt, um Fotos für das Buch aufzunehmen, und kontaktierte Streetartisten, die sich unter dem Motto „Free OZ“ mit eigenen Kunstwerken mit OZ solidarisiert hatten. Walter selbst war anfangs extrem misstrauisch und nur schwer von dem Projekt zu überzeugen. Ohne seine Einwilligung würde ich das Buch aber nicht machen, so viel stand fest. Erschwerend kam hinzu, dass sein Umfeld zerstritten war und von vielen Seiten – sei es mit den besten, sei es mit eigennützigen Absichten – an ihm herumgezerrt wurde. Der Vorteil war: Ich lernte Walter nun genauer kennen.

Walter Josef Fischer, wie OZ mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 7. Januar 1950 in Heidelberg geboren. Als uneheliches Kind wird er von seiner Mutter getrennt und von den Verwandten in ein katholisches Waisenhaus abgeschoben. Dort arbeiten zum Teil Erzieher und Erzieherinnen, deren Haltung noch von der der nationalsozialistischen Ideologie der „Ausmerze“ von der Norm abweichender Menschen geprägt ist. Als uneheliches Kind, das zudem an einer Sprachbehinderung aufgrund einer – später operierten – Gaumenspalte leidet, erfährt er mannigfache Demütigungen und Erniedrigungen, die er sein Leben lang nicht vergessen wird und die ihn auf immer prägen werden. Mit 15 Jahren verlässt er das Heim. Pläne, Gärtner oder Friseur zu werden, verlieren sich im Leeren. Walter bricht die Lehre ab. Anfang der 1970er Jahre trampt er durch Europa und unternimmt eine Weltreise, die ihn bis nach Indien und Afghanistan, schließlich Indonesien führen wird. Go East. Er verliebt sich in die tropische Natur, empört sich aber auch über Raubbau und soziale Ungerechtigkeit. Schließlich zieht die indonesische Polizei seinen Pass ein und schiebt ihn nach Deutschland ab. Zurück in Baden-Württemberg macht er in Stuttgart eine Entdeckung, die sein Leben verändern wird. Es ist die Zeit des RAF-Prozesses in Stammheim und die Straßen sind voller Sprühereien, die sich mit den Gefangenen solidarisieren. Walter F. ist fasziniert und experimentiert mit der Sprühdose als Mittel des politischen Ausdrucks. Mitte der 1980er Jahre will er die Freistadt Christiania in Kopenhagen besuchen, kommt aber nur bis Flensburg, wo er 1986 zum ersten Mal wegen Sachbeschädigung vor Gericht gestellt wird. Anfang der 1990er Jahre zieht er nach Hamburg. Erst hier entwickelt er sein charakteristisches OZ-Logo, das er in den nächsten Jahren zehntausendfach – neben Smileys, Spiralen, farbigen Gemälden – an die Hauswände, Stromverteilerkästen, Poller, Pfeiler und Brücken der Hansestadt sprühen wird. Bald sind ihm die Polizei und die Hochbahnwache auf den Fersen. Schließlich wird sogar eine eigene Soko Graffiti gegründet, die ihm auflauert. Wiederholte Male wird er brutal zusammengeschlagen. Wegen seiner Sprühereien wird er mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt und verbringt insgesamt fast acht Jahre seines Lebens im Gefängnis.

Der Kampf gegen die „Saubernazis“ wird zu seinem Lebensinhalt. Er hat als Heimkind und sprachbehinderter Mensch den Terror der Normalität am eigenen Leibe erfahren. Aus dieser permanenten Demütigung hat er ein hochempfindliches Sensorium für das unterschwellige Gewaltpotential von Sauberkeitsfimmel, Ordnungswahn und bürgerlichen Sekundärtugenden, die dieses Land noch nie am Morden gehindert haben, entwickelt. Das Grauen der deutschen Geschichte ist ihm stets präsent, auf den Leib gebrannt, als tiefe Beunruhigung und innerer Antrieb zum Handeln, als Verpflichtung zum „Dagegenhalten“. Wiederholt ist ihm gedroht worden, unter den Nazis sei „so jemand wie er vergast worden“. Als er in den Strafprozessen Schilder hochhält, auf denen „KZ OZ“ oder „Jude“ steht, wird dies häufig kritisiert. Genauso wie sein Statement, er wolle mit seinen Kringeln und Spiralen an jeden einzelnen ermordeten Juden und „Zigeuner“ erinnern. Illegitime Einnahme einer Opferrolle und Banalisierung der NS-Verbrechen lautet der Vorwurf, in Wirklichkeit ist dies jedoch Ausdruck seiner Hypersensibilität gegenüber der Kontinuität einer untergründigen Gewaltbereitschaft gegenüber allem Abweichenden in der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Beleg seines aufrichtigen Versuchs, mit bescheidenen Mitteln Widerstand und Erinnerungsarbeit zu leisten. Im Grau – „Wehrmachtsgrau“, wie er gern sagte – lauerte für ihn stets auch das Grauen. In der Übertünchung der Graffitis durch Stadt, Verkehrsbetriebe und Privateigentümer sah er einen Fanatismus am Werk, dem er kompromisslos den Kampf angesagte.

In vielen Kommentaren wurde die rhetorische Frage aufgeworfen, ob denn jeder, der um die frischgestrichene Fassade seines – realen oder nur prospektiv erhofften – Eigenheims fürchte, nun ein Nazi sei. Wie auf die meisten rhetorischen Fragen, ist die Antwort eindeutig: in diesem Fall ein Nein. Die Frage ignoriert jedoch das Wesentliche: den eklatanten Überschuss an latenter und nur zu oft exzessiver Gewalttätigkeit, wie er sich selbst nach dem Tod von Walter F. in zahllosen Internet-Kommentaren Bahn bricht, die sich nicht scheuen, den Tod dieses „Schmierfinks“ zu feiern. Ein Hass, den er nicht wegen eines Gewaltverbrechens oder Massenmords, sondern wegen harmloser Graffitis auf sich zieht. Es ist genau diese Mentalität, gegen die OZ mit vollem Recht zu Felde zog.

Dabei ist das Schaffen von OZ wesentlich vielfältiger, als gemeinhin wahrgenommen wird. Neben dem Schriftzug „OZ“, den von den Hauswänden lächelnden Smileys und den tausendfachen Kringeln und Spiralen umfasst es auch großformatige farbige Werke, die manchmal an Zellstrukturen erinnern, manchmal wie kosmische Visionen auf einem LSD-Trip wirken. Farbexplosionen, in denen Mikro- und Makrokosmos sich ineinander spiegeln. Darin verwoben aufblitzende menschliche Gesichter, manchmal lächelnd, manchmal einen aufrüttelnden Schrei artikulierend. Die Reduktion, die Fokussierung auf das Elementare zeichnet sein Werk aus. Darin Keith Haring ähnelnd. Die schwarzen Tags sollten jedoch nicht aus dem Blick geraten lassen, dass das Universum von OZ im Wesentlichen bunt ist. Der Stadt die Farbe zurückzugeben, sie zu verschönern, ist das erklärte Ziel von OZ.

Deutlich wird dies auch in den Atelierbildern, die OZ auf Leinwand gesprüht hat. Als Spiritus Rector stand ihm dabei in einem bisweilen durchaus konfliktiven Verhältnis über Jahre sein Galerist Alex Heimkind von der OZM Art Space Gallery zur Seite, der mehrere Ausstellungen mit und von OZ organisierte und ihn zu Gemeinschaftsproduktionen mit anderen Künstlern ermunterte. Insbesondere in der letzten Ausstellung „Untitled“ ist ein qualitativer Sprung in der künstlerischen Entwicklung von OZ erkennbar, der sein ungeheures Potential erahnen lässt. Paradoxerweise hat Walter selbst das nie recht würdigen können. Immer wieder betonte er, dass er für die Galerie nur arbeite, weil er seine Anwälte finanzieren müsse. Sein Arbeitsfeld war definitiv die Straße.

OZ‘ Werk kann indes nur angemessen gewürdigt werden, wenn man es in seiner komplexen Gesamtheit ins Auge fasst. Wie er im Laufe von knapp einem Vierteljahrhundert die Hamburger Stadtlandschaft gestaltet hat, lässt sich nur mit dem Begriff des Gesamtkunstwerks erfassen, als monumentale soziale Plastik, die sein Leben mit einbezieht. Mit feinem Gespür hat das Hamburger Streetart-Duo Los Piratoz ein Graffiti gesprüht, das den chinesischen Dissidenten und Künstler Ai Weiwei mit Piratendreispitz neben die Parole „Free OZ“ stellt. Beider Leben erscheint als ein Gesamtkunstwerk – nur dass bei OZ das Moment der Selbstinszenierung gänzlich fehlt.

Wohl auf lange Sicht einzigartig sind die Konsequenz und Zielstrebigkeit, mit denen OZ seinen Weg beschritt. Er ließ sich darin durch nichts und niemanden beirren: nicht durch Gewalt, Repression und Gefängnis, die ihn nicht brechen konnten; nicht durch ein Leben in bitterer Armut, das er durch völlige Bedürfnislosigkeit konterte; nicht durch Lob, Schmeichelei oder Winken mit materiellen Vorteilen, denen gegenüber er gänzlich unempfindlich blieb. Ich kenne kaum jemanden, der so unabhängig von den Meinungen anderer Menschen war wie er. Darin war er unerreichbar und unkorrumpierbar. Felsenfest in seinen Überzeugungen. Walter hatte seine Entscheidung getroffen, seinen Weg, seinen Kompass gefunden und folgte ihm unbeirrt. Zu sprayen war für ihn so selbstverständlich wie für andere das Atmen oder die Nahrungsaufnahme. Ein existentieller Akt. Auch wenn seinem Handeln eine offenbare Besessenheit innewohnte: OZ war für mich in einem grundlegenden Sinn das aufrüttelnde Beispiel eines freien Menschen.

Im März 2014 lag das Buch „Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ schließlich druckfrisch vor uns. OZ hielt sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Hamburg auf. Wieder einmal war er von der Hochbahnwache verprügelt und mit dem Kopf auf das Trottoir geschlagen worden, was – möglicherweise verbunden mit einem leichten Schlaganfall – seine Artikulationsprobleme wieder hatte aufleben lassen. Zur Rehabilitation befand er sich in einer neurologischen Klinik in der Lüneburger Heide. Zu dritt fuhren wir nach Soltau, um Walter das Buch offiziell zu überreichen. Der Weg vom Bahnhof zur Klinik gestaltete sich als Schnitzeljagd: Wir brauchten nur den zahllosen Kringeln in der zuvor super-cleanen Kleinstadt zu folgen, um zielsicher zur am Waldrand gelegenen Klinik zu gelangen. Und selbst hier waren zwischen den Bäumen auf einsamen Schildern seine Embleme zu finden. „Walt-Art“ nannte sie KP Flügel mit treffendem Witz. Wir verbrachten einen schönen, sonnenbeschienenen, frühlingshaft warmen Tag mit Walter, der das Buch bereits über einen Gewährsmann erhalten hatte. Er hatte es von vorne bis hinten durchgearbeitet und mit Kommentaren versehen. Wenn ihm etwas nicht gefiel, stand da zum Beispiel: „Von nichts ’ne Ahnung, aber dumm rumlabern.“ Wie er es denn insgesamt finde, fragten wir ihn leicht beunruhigt. „Na ja, hätte schlimmer kommen können, nicht wahr.“ Aus seinem Mund war das fast das höchste Lob.

Am 15. April 2014 folgte die Buchpremiere im Gängeviertel. Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die mit einer Overheadprojektion seiner Arbeiten verbundene Lesung gelang als wunderschöne, beglückende Würdigung des Werkes von OZ und setzte ein klares Zeichen gegen die Kriminalisierung seiner Kunst und von Streetart im Allgemeinen. Walter war incognito in der freundschaftlich-beschützenden Begleitung seines Anwalts Andreas Beuth anwesend, von fast niemandem erkannt. Aber diesmal war er wirklich gerührt. „Zu mehr als hundert Prozent“ zufrieden sei er, wie er mir sagte.
Tatsächlich hatte er sich einen Platz erkämpft, den ihn niemand mehr nehmen konnte. In der Presseberichterstattung hatte es langsam, aber sicher einen Wandel gegeben, und mit den Ausstellungen und Veröffentlichungen der letzten Zeit war die Frage, ob es sich bei „OZ“ um Kunst handele, entschieden. OZ hatte sich aus einem geschmähten, beleidigten, misshandelten und eingekerkerten „Schmierfinken“ in einen anerkannten Graffiti-Künstler verwandelt. Unumkehrbar. Seine Peiniger und Verfolger waren auf immer gescheitert. Mit seinem Werk hatte sich OZ unauslöschlich in das Gedächtnis der Hansestadt eingeschrieben, war Teil ihrer Geschichte geworden. Ihm selbst war das wie immer völlig schnuppe. „Und wozu soll das gut sein?“, fragte er. „Damit mich die Schergen beim nächsten Mal noch besser erkennen können?“

Wir haben uns danach noch einige Male gesehen und miteinander telefoniert. Einmal fragte ich ihn, ob er es in unserem Alter nicht bequemer fände, auf einem Damenfahrrad zu fahren. „Ne“, sagte er. „Weißt du, wozu ich das brauche?“ Er hielt an, lehnte sein „Herrenrad“ an ein Straßenschild, stieg auf die Querstange und klebte oben einen Sticker an. „Da kommen die Schergen nicht so schnell ran und können ihn nicht wieder entfernen.“

Walter besaß eine ausgeprägte Guerillamentalität. Er sah sich in einem einsamen Kampf gegen die Mächte des Graus: Werbung, Ordnungshüter, Polizei. Ein Partisan der Farbe versus das Einerlei der kapitalistischen Stadt, gegen das er mit friedlichen Mitteln kämpfte. Gegen die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums reklamierte er ein Recht auf Stadt für alle und setzte es in einem selbstbewussten Akt der Aneignung und Umgestaltung in die Tat um. Seine einzige „Waffe“ war die Sprühdose, mit der er seine Umwelt verschönern wollte. Zumeist war er als Einzelkämpfer unterwegs. Obwohl er von zahlreichen Streetartisten und Graffiti-Writern als Vorbild verehrt wurde und auch in der Fanszene des FC St. Pauli auf große Resonanz stieß, suchte er nur selten den Kontakt. „Was hab ich mit denen zu tun?“, sagte er häufig. Er war schon vom Alter her eine Ausnahme und spielte auch sonst in einer anderen Liga.

Walter konnte auch anstrengend, starrsinnig und nervig sein. Ich erinnere mich, wie ich in einer schwierigen Situation in das Anwaltsbüro von Andreas Beuth am Schulterblatt kam. Im Besprechungsraum saß Walter mit mehreren Anwälten und weiteren Personen, um das Vorgehen in diversen Streitfällen zu besprechen. Der Einzige, der sprach, war Walter. Kerzengerade auf seinem Stuhl. Entschieden und stur. Unverrückbar in seinen Vorstellungen und Wertungen, die er endlos wiederholen konnte. Er wusste genau, was er wollte.

Zum Schluss das Wichtigste: Es gab etwas an Walter, das mich – und wie ich weiß: nicht nur mich – bereits nach wenigen Begegnungen zutiefst angerührt hat. Er verfügte über einen eigenen Zauber. Vielleicht war es diese eigenartige und scheinbar widersprüchliche Verbindung von höchster Verletzlichkeit und Ungeschütztheit, die dieser scheue und schmächtige Mann ausstrahlte, und seiner singulären Konsequenz, Hartnäckigkeit und Eigenwilligkeit. OZ war durch nichts zu brechen und strahlte eine schwer zu ergründende, spürbare Energie aus, die bisweilen in seinen dunkelbraunen, fast schwarzen Augen aufglühte. Allzu häufig haben wir uns nicht gesehen, aber wir hatten einen Draht zueinander und ich habe diesen ganz und gar besonderen und einzigartigen Menschen sehr gemocht. Und ich bin glücklich, dass wir ein Buch veröffentlichen konnten und durften, das sein Schaffen in Ausschnitten für die Zukunft bewahrt. Sein Tod hat mich zutiefst erschüttert und ich hoffe, dass ein Funke meiner Zuneigung ihn in seiner Einsamkeit erreicht.

Er fühle sich, wenn er in Hamburg unterwegs sei, von dem OZ-Schriftzug buchstäblich gegrüßt, hat Herr von Eden in unserem Buch geschrieben. Genauso ging es mir. Bei jedem Streifzug durch die Stadt begegnete mir ein Graffiti von OZ und jedes Mal entlockte es mir ein inneres Lächeln. Seine Omnipräsenz hatte etwas Tröstliches, war Teil meines Heimatgefühls geworden. Home is where your heart is. OZ gehörte definitiv dazu. Als ich heute im Fahrstuhl zu meinem Arbeitsplatz in unserer Bürogemeinschaft hinauffuhr, fiel mein Blick auf einen Kringel von OZ, der den klapprigen Kasten, der manchmal stecken bleibt, seit seinem letzten Besuch zierte. Nun muss ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, daran denken, dass Walter ihm keine weiteren Zeichen mehr hinzufügen wird. Die Welt ist durch seinen Tod ärmer geworden. Wie jemand im SWR richtig bemerkte: Hamburg hat sein Lächeln verloren.

Theo Bruns, Hamburg, 27. September 2014

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